Folgenreicher als häufig angenommen: Der Diebstahl am Arbeitsplatz

Folgenreicher als häufig angenommen: Der Diebstahl am Arbeitsplatz
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Ein Diebstahl am Arbeitsplatz geschieht häufig unbemerkt: Im Büro sind Papier und Stifte en masse vorhanden, zu Hause fehlt es an jeder Ecke. Warum also nicht Büromaterialien nach der Arbeit mitnehmen –  schließlich kosten sie lediglich wenige Cents. Wer so denkt, ist sicher nicht alleine, überschreitet aber häufig den zulässigen Rahmen und riskiert seine Anstellung.

Pflichtverstoß in zweifacher Hinsicht bei Diebstahl am Arbeitsplatz

Denn das Gesetz trennt strikt zwischen dem Eigentum des Arbeitgebers und dem des Arbeitnehmers. In aller Regel sind die vom Arbeitgeber bereitgestellten Büromaterialien ausschließlich für den Gebrauch innerhalb des Betriebs gedacht. Setzt sich der Arbeitnehmer darüber hinweg und steckt zum Beispiel Stifte für den privaten Gebrauch ein, begeht er damit grundsätzlich einen Diebstahl am Arbeitsplatz.

Ob der Arbeitnehmer einen Stapel Papier oder einen ganzen Drucker entwendet, spielt dabei zunächst keine Rolle. Wer fremde Sachen am Arbeitsplatz entwendet, handelt sogar doppelt pflichtwidrig. Der Arbeitnehmer verletzt nämlich nicht nur Strafgesetze, sondern auch seine Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis. Aus der allgemeinen Rücksichtnahmepflicht jedes Arbeitnehmers resultiert, dass der Arbeitnehmer mit dem Eigentum des Arbeitgebers pfleglich umzugehen und es erst recht nicht zu entwenden hat.

Kündigung kann häufig fristlos ausgesprochen werden

Verletzt der Arbeitnehmer diese Pflicht, riskiert er seine fristlose Kündigung. Der Arbeitgeber hat dabei die beiderseitigen Interessen abzuwägen. In die Abwägung einzubeziehen sind zum Beispiel das bisherige Verhalten des Arbeitnehmers sowie die Dauer seiner Betriebszugehörigkeit.

Die Gerichte werten den mit einem Diebstahl am Arbeitsplatz einhergehenden Vertrauensbruch als schwerwiegend. Eine fristlose Kündigung ist daher auch nach dem Entwenden geringwertiger Sachen nicht unwahrscheinlich.

Kündigung wegen Diebstahls einiger Maultaschen

Das Hessische Landesarbeitsgericht urteilte 2014 zum Beispiel zur Kündigung einer Lagerfachkraft, die mehrere gefüllte Getränkeflaschen für den privaten Gebrauch entwendete. Bei den Flaschen handelte es sich um Waren eines Kunden der Arbeitgeberin, die letztere in ihrem Lager verwahrte. Die Richter hielten die nach dem Diebstahl ausgesprochene fristlose Kündigung für wirksam. Auch die Tatsache, dass andere Kollegen nach Aussage des Arbeitnehmers ähnlich verfuhren, führte zu keiner anderen Bewertung (Urteil vom 07.052014 – AZ: 12 Sa 749/13).

Das Arbeitsgericht Lörrach erklärte in einem anderen Fall eine fristlose Kündigung wegen Diebstahls von sechs Maultaschen für wirksam. Eine als Pflegekraft angestellte Arbeitnehmerin entwendete die Maultaschen, nachdem sie von den Pflegeheimbewohnern nicht verzehrt wurden. Dabei missachtete sie die ausdrückliche Anweisung ihrer Arbeitgeberin, übriggebliebene Speisen nicht selbst zu essen. Zulasten der Arbeitnehmerin berücksichtigten die Richter auch, dass sie vor und im Prozess Schutzbehauptungen vorbrachte, die ihre Tat weniger schwerwiegend erscheinen lassen sollten (Urteil vom 16.10.2009 – AZ: 4 Ca 248/09).